4. CI-Infotag im Hörsaal 2 der Mensa
Ein Tag voller Begegnungen, Information und Austausch
Am Samstag, den
06. Juni 2026, fand in der Mensa des Helios Klinikums Erfurt der
mittlerweile
4. CI-Infotag der Selbsthilfegruppe
"CI- und Hörgeräteträger" statt.
Die Veranstaltung wurde von SHG-Sprecherin Antje Noack gemeinsam mit Dr. Izet Baljić
(Audiologe der HNO-Klinik) organisiert.
Dank der Unterstützung durch das Helios Klinikum - insbesondere bei der Bereitstellung der Räumlichkeiten und des Caterings -
konnte die Veranstaltung in barrierefreier Umgebung und herzlicher Atmosphäre durchgeführt werden.
Für diese Unterstützung bedanken wir uns herzlich - auch im Namen vieler Teilnehmender, die dies lobend hervorhoben.
Bereits am Vortag wurde im Hörsaal gemeinsam mit Dr. Baljić eine Ringschleife installiert und in Betrieb genommen,
sodass die Veranstaltung auch hörtechnisch optimal versorgt war.
Ergänzt wurde das Angebot durch Frau Angelika Gollnik, die als erfahrene Schriftdolmetscherin viele Besucher:innen beim Verfolgen
der Vorträge unterstützte.
Bei Fachvorträgen ist das Mitlesen von nicht verstandenen Wörtern extrem von Vorteil
und das Hören wird für einige Teilnehmer so etwas entspannter.
Fachvorträge & Informationen aus erster Hand
Um 10 Uhr begrüßte die SHG Sprecherin alle Besucher mit einer kleinen Ansprache und eröffnete die Veranstaltung.
Sie konnte 54 Zuhörer und 9 Referenten begrüßen - eine stolze Zahl.
Zu Beginn hielt Prof. Dr. H. Kaftan seinen Vortrag über den Hörerhalt während der OP und die Möglichkeiten der modernen Gentherapie.
Er sprach auch über die Forschungen zu CI´s, die statt Strom Licht verwenden - aber das ist noch Zukunftsmusik.
Die Teilnehmer lauschten interessiert, als er über das vollimplantierbare CI von MED-EL (TICI) referierte und dessen Vorteile,
aber auch Nachteile zur Sprache brachte.
Anschließend folgte Herr Dr. I. Baljić mit seinen Neuigkeiten über die aktuellen Zahlen und Fakten der CI-Versorgung im Helios-Klinikum.
Wichtig war auch die Info, dass die HNO-Abteilung im April die Rezertifizierung bestanden hat.
Besonders hervorgehoben wurde die wohnortnahe Versorgung in Thüringen, die kurze Wege,
zeitnahe Termine und enge Zusammenarbeit mit der Selbsthilfegruppe ermöglicht.
Manche Betroffene finden durch die HNO Abteilung den Weg zur SHG, damit sie das Gespräch mit Betroffenen suchen und vor der Entscheidung zum CI
zusätzliche Eindrücke gewinnen können. Nach der Versorgung kommen manche zum regelmäßigen Austausch zu unseren SHG-Treffen.
Danach folgte der Bericht von Sonja Ohligmacher aus Baden-Würtemberg, ihres Zeichens Vizepräsidentin der DCIG und eine der ersten CI-Pionierinnen in
Deutschland. Sie erhielt Anfang 1981 ihr erstes Cochlea Implantat, ein Fabrikat von MED-EL, im Allgemeinen Krankenhaus in Wien.
Die Zuhörer waren echt mucksmäuchenstill, als Sonja über ihren Hörweg berichtete.
So eine Entwicklung bis zu den heutigen CI´s hört man wahrlich nicht alle Tage ...
In einer kurzen Kaffeepause, welche vom Catering mit Mini-Pizzas, veganen Köstlichkeiten und Hackfleischbällchen angereichert wurde,
fand dabei ein reger Austausch zwischen vielen Zuhörern und dem HNO-Klinikchef Prof. Dr. Holger Kaftan sowie Herrn Dr. I. Baljić statt.
Auch die Hersteller wurden mit Fragen überhäuft.
Nach der Pause setzte Herr Dr. I. Baljić seinen Vortrag mit Informationen zu AHB (Anschluß-Heilbehandlung)
sowie Sprach- und Hör-AHB nach der CI-Versorgung fort.
Denn seit Anfang 2025 besteht ein Anspruch auf stationäre Therapie nach CI-Versorgung für alle Berufstätige.
Aber hierzu gibt es noch ordentlichen Klärungsbedarf - weil einfach vieles in der Umsetzung noch ungeklärt ist.
Man sollte hier auf seinen Kostenträger zugehen.
Als nächtes folgten die Berichte der CI-Hersteller. Den Anfang machte Herr Oberhoffner von MED-EL. Er sprach über die aktuellen Modelle,
das Sonnet 3 und den neuen kleineren Micro-Pro-Akkus.
Seit 1. Juli 2025 gibt es die Möglichkeit, mit den Hörgeräten von Starkey vom Smartphone aus bimodal zu streamen mit dem Sonnet 3 und Rondo 3
sowie Sonnet 2 und dem zusätzlichen Audio Stream-Aufsatz bzw. ~Adapter.
Gegen 13 Uhr war das Mittagsbuffet bereitet und es gab zwei leckere Suppen, einmal "normal" und eine vegane Suppe.
Man traf sich in lockerer Atmosphäre erneut zum Austausch - mit Klinikteam, Reha-Partnern, Herstellervertretern und Betroffenen.
Nach dem Mittagessen setzte Herr Löffler von Cochlear die Vortragsreihe der Hersteller fort und sprach über das neue "Nexa"-System.
Es besteht aus dem neuen Nucleus 8 Nexa Soundprozessor, den Kanso 3 Soundprozessor und dem Herzstück, dem neuen Nucleus Nexa Implantat.
Ein weiteres wichtiges Thema war die MRT-Festigkeit der Implantate.
Hier gab es eine intensive Diskussion, denn einige hatten mehr oder weniger schlechte Erlebnisse. Am Ende hilft der direkte Kontakt zu seiner CI-Klinik.
Als nächstes referierte Herr Ringsdorf von Advanced Bionics (AB) zu den bimodalen Lösungen von AB und Phonak.
Er sprach auch über die 3 Apps, die bei Phonak und Ab zum Einsatz kommen: Fernsteuer-App, Remote Fittin-App und die Listen-Fit-App.
Die letzte App ist eine echte Kontroll-App und beinhaltet einen Hörtest-Modus. Mit diesem sind präzise Auswertungen für den Audiologen machbar.
Zu guter Letzt sprach Herr Stephan von Phonak über die drahtlose Übertragungsanlagen, die für unerschiedliche Einsatzzwecke zum Tragen kommen.
Ganz wichtig waren die Punkte, wie diese Gerätschaften abhängig von jeweiligen Status (Berufstätig oder Rentner) eine Finanzierung durch die
jeweiligen Kostenträöger erhalten können.
Herr Herr Dr. I. Baljić brachte das Thema MRT-Sicherheit aufgrund vieler Fragen zur Sprache und erläuterte die möglichen Wege, um zu einem
sicheren MRT zu gelangen. Die modernen Implantate sind i.d.R. bis 3 Tesla zugalassen, ohne dass der Magnet entfertn werden muss.
Bei "älteren" Implantaten empfiehlt es sich, im Implantatausweis nachzuschauen oder bei der implantierenden Klinik nachzufragen.
Austausch, Selbsthilfe & Perspektiven
Es folgten die Präsentationen von Marcus Schneider und Maria Trinks über die Aktivitäten und Maßnahmen der
Cochlea Implantat Vereinigung Mitteldeutschland (CIV MD) und sie konnten viel Interesse über die junge Selbsthilfe wecken.
Dazu gab es Einblicke über verschiedene Veranstaltungen, die im letzten Jahr durchgeführt wurden und welche Vorhaben in diesem Jahr folgen werden.
Ein gelungener Tag für alle Beteiligten
Begleitend zur Veranstaltung waren Med-El, Advanced Bionics, Phonak sowie Cochlear mit Infoständen vertreten und standen den
Besuchenden bis zum Schluss für Fragen zur Verfügung.
Die SHG stellte Informationsmaterial von Humantechnik und der DCIG bereit und beantwortete Fragen.
Am Ende des Tages blickten viele Teilnehmende auf einen informativen, offenen und ermutigenden Infotag zurück -
mit neuen Impulsen, hilfreichen Kontakten und gestärktem Selbstvertrauen.
Herzlicher Dank
Unser besonderer Dank gilt:
- Herrn Prof. Dr. H. Kaftan und Herrn Dr. I. Baljić, für ihre fachlich hochwertigen und praxisnahen Vorträge
- Frau Sonja Ohligmacher für ihren hochinteressanten Bericht zu ihrer Hörreise als eine CI-Pionierin
- Herrn Tobias Oberhoffner (Med-El), Herrn Jan Ringsdorf (Advanced Bionics), Herrn Patrick Löffler (Cochlear) und Herrn Yan-Siard Stephan (Phonak)
für ihre engagierte Teilnahme
- der DCIG bzw. der CIV MD für ihre Beiträge zur jungen Selbsthilfe
- der Schriftdolmetscherin Angelika Gollnik für die hervorragende und barrierefreie Unterstützung
- Herrn Dr. I. Baljić für die organisatorische Unterstützung, das Catering und die Ringschleifenmontage
- dem Catering-Team des Helios-Klinikums für die leckere Verpflegung
- der Klinikleitung des Helios Klinikums Erfurt für die großzügige Unterstützung
Antje Noack
Sprecherin der Selbsthilfegruppe "CI- und Hörgeräteträger"
Bilder und Text: Antje und Uwe Noack
zurück